Bewegende Momente

Hin wollte ich sowieso, das war klar. Hallo sagen nach langer Zeit.

Bekanntes suchen, wiederfinden, neu entdecken.

Die einzige Frage, wann.

 

Die Farben verblassen. Der Frühherbst vorbei.

Und mit ihm der bunter Blätterreigen in den Buchenwäldern des Jasmund.

Der Winter lang noch nicht da.

Fad ist’s, irgendwie.

Denn das Gefühl des Abschieds wird stärker. Jeden Tag.

 

Ich hätte wohl länger gewartet. Viel länger.

Vielleicht wäre ich nicht einmal mehr aufgebrochen. In diesem Jahr.

Hätte Rügen ein weiteres Mal vertröstet.

 

Wäre da nicht diese Einladung.

Zur Eröffnung.

Einer Ausstellung.

Im Nationalparkzentrum.

„Rügen – eine Winterreise“ von Jana Mänz

 

Das ist doch ein Grund. Ein guter zudem.

Zumal der samstägliche Morgen mit Sonnenschein geweckt werden soll.

Keine Frage. Auf nach Rügen. Am Morgen. Um eins.

Doch was macht die Uhrzeit, wenn man endlich, nach Jahren, den Morgen am Königsstuhl begrüßen kann.

 

Auch wenn der einem die kalte Schulter zeigt.

Nicht in Stimmung ist, mehr stürmisch als versöhnend.

Und dunkel. Aber, vor allem, Grau.

Kein kitzeldes Rot, kein noch so kleines Gefühl sonnigen Lichts am Ende der Dämmerung.

Nur uninspirierte, tonlose Gleichförmigkeit.

 

Und doch, ich sitze am Ufer, den Königsstuhl über, die tosenden Wellen vor mir.

Auch ohne Licht, ohne Bild ein unglaubliches, ein grandioses Schauspiel.

Das ich gerne länger genießen würde.

 

Doch zum Takt der Ostsee verabschiedet sich der letzte Rest Adrenalin.

Sackt in die tiefsten Keller meines Körpers, ist weg, versteckt sich, unauffindbar.

Sattdessen Leere, Müdigkeit, Schwere.

Die frühe Zeit fordert Tribut. In unvorstellbarer Höhe.

Mühsam die nächsten Stunden. Jeder Schritt anstregend. Jedes Bild wird zur Schwerstarbeit.

Und hilft doch die Augen offen zu halten.

 

Bis, ja, bis zu dem Moment, in dem ich im Nationalparkzentrum stehe.

Und staune. Und loslasse. Und träume.

Wunderbare Aufnahmen eines winterlichen Rügens.

Verträumt, verspielt, zart, mache fast surreal.

Immer emotional, immer auf dem Punkt und immer mit viel Raum für die eigene Interpretation.

Welche Glück, dort zu stehen, welche Freude, mit Jana Gedanken zu tauschen.

 

Und inspriert und erfrischt erneut durch den Jasmund zu streifen.

Und Bilder zu entdecken, die ohne diese Ausstellung nicht entstanden wären.

 

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Venezianische Skizzen

Ein Schritt nur, ein kleiner.

Nicht viel, nicht groß, nicht weit.

Und doch schwinden Jahrhunderte.

Vermischt sich bunt-trauriges Jetzt mit dem vergilbten Glanz vieler Jahrhunderte.

Das Boot als verkappte Zeitmaschine, eine letzte technische Gehhilfe, der Brückenschlag zur historischen Gegenwart.

Wen würde es wirklich wundern, Thomas Mann mit Gehrock gegenüber zu stehen.

Marco Polos Geschichten ferner Abenteuer zu lauschen, persönlich versteht sich.

 

Lebendiges Fossil vergangener Jahrhunderte.

Pompöse Ode an die eigene Geschichte.

Jeder einzelne Tag zu spüren, zu fühlen, zu sehen.

Jeder Schritt von magischer Atmosphäre durchzogen.

Jeder Stein seine eigene Geschichte erzählend.

 

Von Glanz, Kraft, unbändiger Lebensfreude.

Von Trauer, Verzweiflung, Depression.

Und, Hoffnung.

 

Eine wunderbare, eine sonderbare Stadt. Irgendwie.

Schwer zu greifen, kaum zu begreifen.

Aber großartig, einfach einzutauchen, abzutauchen, sich treiben zu lassen.

Nur fühlen,  spüren, riechen, genießen, staunen.

Im hier und jetzt über das heutige Gestern.

 

 

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