Alles echt?

Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild.
Und was auf einem Bild zu sehen ist, existiert.
Ist passiert, ist wahr, ist unumstößliche Wahrheit.

Natürlich ist auch jede Auswahl eigene Interpretation.
Natürlich kennt sie jeder, die Beispiele staatstragender, bildlicher Propaganda.
Aber davon will ich nicht sprechen.

Nein, es geht mir um etwas anderes.
Die „Verschönerung“ eines Bildes per Computer.

Ich gestehe, ich war entsetzt.
Enttäuscht, verunsichert.
Damals, als mir zu Ohren kam, jedes Bild in GEO würde bearbeitet.
In der National Geographic sowieso.
Die Aushängeschilder meiner fotografischen Jugend machen Dinge, die ich weit von mir weisen würde.
Verändern, verfälschen.
Ein Schlag in die Magengrube, ganz tief.
Verbunden mit der Erkenntnis, dass es dann auch kein Wunder sei, warum die Bilder viel besser sind als meine.

Wie falsch ich lag.
Wie albern diese Gedanken waren.
Oder zumindest sehr, sehr eingeschränkt.
Kaum zu glauben.
Aus heutiger Perspektive.

Warum?
Weil ich mehr fotografiere.
Mehr über meine Bilder nachdenke.
Einem Trugschluss aufsaß.
Dachte, was aus der Kamera kommt ist wahr.

Pustekuchen.
Denn das, was aus der Kamera kommt, meine Interpretation.
Ich wähle Objektiv, Blende, Verschlusszeit, Standpunkt der Aufnahme.
Jede einzelne Entscheidung verändert das Bild.
Macht es zu meiner Wahrheit, zu meiner Aussage.
Zu meinem Bild.

Soweit nicht neu, war immer schon so.
Und ist allgemein akzeptiert.

Aber es geht weiter.
Auch nach der Aufnahme beinflusst jedes Detail das Bild, seine Wirkung.
Früher, in analogen Zeiten die Wahl des Entwicklers.
Die Wahl des Papiers.
Das Druckverfahren.
Jeder, der einmal einen Druckprozess live miterlebt hat, weiß, wie sich ein Bild im Druck verändern kann..
Die meisten, mich eingeschlossen, haben sich darum wenig Gedanken gemacht.
Haben die belichteten Filme abgegeben.
Und die Bilder oder Dias abgeholt.
Waren vom Ergebnis begeistert.
Oder auch nicht.

Wie viel ich dabei verschenkt habe, weiß ich erst heute.
Ich habe es anderen überlassen, mein Bild zu entwickeln.
Für mich zu interpretieren.
Für mich zu entscheiden.

Das würde ich heute nicht mehr tun.
Niemals.
Und ganz bestimmt nicht einer Kamera und ihren Algorithmen überlassen.
Mögen sie noch so intelligent sein.

Mein Bild gehört mir.
Und es soll so aussehen, wie ich es mir vorstelle.

Deshalb bin ich froh über die Möglichkeiten digitaler Entwicklung.
Glücklich über die Möglichkeit, den Prozess nicht wie früher anderen zu überlassen.
Froh über die Chance, dem Bild meine Sicht mitzugeben.

Und ich kann nur jeden ermutigen, selbst Hand anzulegen.
Die Entwicklung des Bildes nicht der Kamera zu überlassen.
Die eigene Handschrift zu entwickeln.
Selbst zu sehen, wie sich das Bild entfaltet.
Sich seine Schönheit entwickelt, sein Einzigartigkeit.

Alles wahr-1

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8 Gedanken zu “Alles echt?

  1. Interessanter Beitrag. Auf so einen langen Entwicklungsweg beim Fotografieren kann ich nicht zurück blicken. Ich stehe tatsächlich irgendwo bei dem Wunsch, das einzufangen, was „echt“ ist. Durch deinen Beitrag kann ich mehr sehen.

    Dein Beispielfoto der Rose ist für mich insofern interessant, als es bei deiner Interpretation für mich irgendwo zwischen einer Rose und einem cremig gerührten süßen Dessert liegt. Und das ist das Interessante daran. Die Grenzen werden fließend. Eine Rose beginnt eine andere Assoziation zu wecken. Das Foto löst etwas aus…

    1. Etwas anderes mache ich bei fotografieren ja auch nicht. Ich versuche, das Bild so weit wie möglich in der Kamera zu gestalten. Ich halte nur den zweiten Schritt für genauso wichtig für die Wirkung des Bildes.
      In diesem Fall habe ich nicht viel mehr getan, als die Belichtung und Kontrast zu verstärken und Schärfe ud Farbigkeit etwas zu redurzieren. Und doch sieht es ganz anders aus, als das, was die Kamera mir vorgeschlagen hat.

Ich freue mich über ein paar Worte

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